Das Projekt Stolpersteine

Dieses Projekt der Erinnerungskultur wurde von dem Künstler Gunter Demnig (Links im Bild) initiiert und in die Tat umgesetzt. Die Steine werden stets an dem Ort, vor dem Gebäude verlegt, wo die Vertriebenen zuletzt gelebt, gewohnt oder gearbeitet haben. Individuell gefertigt tragen sie in ihrer Messingoberfläche die Namen und Lebensdaten der Menschen, an die sie erinnern.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Talmud)

Jeder Stein erinnert an einen Menschen.

Jeder Stein ehrt ein Opfer.

Jeder Stein ist uns Mahnung.

Es ist ein Kunstprojekt, das die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasie-Opfer im NS lebendig erhält, auch der politisch Verfolgten.
Sie sind Orte des persönlichen Gedenkens, wo diese Menschen gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Auslöschen, Ausradieren und Ausmerzen durch die Nazis: Sie wurden abgeholt, ihr Eigentum wurde ihnen weggenommen, sie wurden deportiert und entweder gleich umgebracht oder durch Arbeit und Hunger getötet. Sie waren aus unserem Leben, aus ihrer Heimat verschwunden.
Die Stolpersteine brechen die Anonymität der Opfer: Sie tragen die Vergangenheit und damit die Opfer der Gewalt in die Gegenwart und lassen uns unserer Verantwortung bewusst werden.
Damit soll aber keine Schuldzuweisung an die Nachkommenschaft verbunden sein, sondern es soll ein Erinnern an das Leid, die Demütigungen und die Beleidigungen, die Einschränkungen des eigenen Lebens vor den Augen einer schweigenden Mehrheit sein und deshalb müssen wir daran erinnern. Wir besitzen die Freiheit, diese Chance zu nutzen und diese Menschen unsterblich zu machen.
Nicht überall wird diese Form des Gedenkens anerkannt und durchaus kontrovers betrachtet. Charlotte Knobloch zählt zu den prominentesten Kritikern, weswegen sich der Stadtrat von München bis heute gegen eine Verlegung von Stolpersteinen auf öffentlichem Boden ausgesprochen hat. Man muss diese Meinung respektieren und akzeptieren, aber man muss sie nicht teilen. Bei den Stolpersteinen stolpert man gewissermaßen mit den Augen darüber und kommt so zum Nachdenken und Hinterfragen. Auch heute müssen wir uns wehren gegen Übergriffe auf Menschen mit Behinderungen, unterschiedlicher Hautfarbe oder sexueller Orientierung, wegen ihres Andersseins. Wir sollen die Vergangenheit nicht nur Vergangenheit sein lassen, sondern sie auch gegenwärtig ins Bewusstsein holen, um so gegen heutige fehlende Toleranz und Akzeptanz vorzugehen und die Zivilcourage aller stärken zu helfen. Mittlerweile hat Gunter Demnig, der die Steine meist selbst verlegt, in mehreren europäischen Staaten über 60.000 Stolpersteine verlegt. Die Initiative für die Verlegung von Stolpersteinen in Landshut ging von der Schul-AG gegen Faschismus und Rassismus des Hans-Leinberger-Gymnasiums aus.